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Über Minipreneure

 

Hintergrund


In der öffentlichen Meinung gibt es zwei Fraktionen: Die eine sieht Arbeitslosigkeit als zwangsläufige Folge unserer Marktwirtschaft und geht davon aus, mit einem hohen Sockel an Arbeitslosigkeit leben zu müssen. Die andere sieht darin eine unerträgliche Zumutung für die Menschen in unseren modernen Gesellschaften und eine Verletzung des Solidaritätsprinzips, das die Grundlage demokratischer und humaner Gemeinwesen ist. Zur letzteren gehören die Vordenker des MINIPRENEURE-Konzeptes Prof. Dr. h.c. Peter Hartz und Prof. Dr. mult. Hilarion G. Petzold.

Unsere Überzeugung lautet: Das Problem muss lösbar werden. Dabei sind alle gefordert – Jeder und Jede. Wir haben zusammen mit den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an diesem Projekt und gemeinsam mit älteren und jungen Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren und sind, versucht, einen Beitrag zur Lösung dieses Problems zu leisten – wir hoffen, einen innovativen, der aus gemeinschaftlicher Ko-Kreativität hervorgehen konnte.

„Sinn-volle“ und erfüllende Arbeit ist für uns eine bedeutende Qualität persönlichen Lebens und ein Beitrag zu einer gelingenden, humanen Gesellschaft. Keine Arbeit zu haben oder ungesunde und belastende, ist für Menschen ein schweres Schicksal. In dieser Überzeugung sind sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an dem hier dargestellten Projekt einig gewesen und haben sich entschlossen, in dieses „Unternehmen für Menschen“ zu investieren.


Geschichte


Aus der gemeinsamen Arbeit am Thema „Qualität der Arbeitswelt“ entwickelte sich die Zusammenarbeit für das Projekt MINIPRENEURE. Es steht in einer gedanklichen Linie mit der Reform-Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, die im Jahre 2002 eine Allianz von über sechs Millionen Multiplikatoren – „Profis der Nation“ – zur Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit aufrief. Vom Politiker über den Manager, die WissenschaftlerInnen und ForscherInnen, die Geistlichen, die Vereine, die Journalisten, die KünstlerInnen sollten Bürgerinnen und Bürger gewonnen werden, sich für das Thema der Arbeitslosigkeit zu engagieren. In Weiterentwicklung dieser Idee der Reform-Kommission hat die gemeinnützige Stiftung „SHS Foundation“ im Jahre 2006 eine Arbeitsgruppe zu dieser Thematik eingerichtet. Seither wurde unter Beteiligung Vieler, im Austausch mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitsverwaltung und Politik und unter konsultierendem Einbezug von Arbeitslosen und Arbeitsuchenden das Konzept MINIPRENEURE entwickelt, das in neuer, engagierter Weise Frauen und Männern eine Chance bietet, ihr Leben neu zu gestalten.

Das Projekt wird nun in der 2009 gegründeten gemeinnützigen „Minipreneure Zentrum gGmbH“ operativ umgesetzt. Im Jahre 2010 startete das saarländische Pilotprojekt. Im Jahre 2011 wurde das erste MINIPRENEURE Starter- und Dienstleistungszentrum in Lebach gegründet. Im Januar 2013 erfolgte die Zertifizierung der Minipreneure gGmbH als Träger von Maßnahmen nach AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung), um den MINIPRENEURE- Förderprozess unter „realen“ Bedingungen im Rahmen der staatlichen Förderinstrumente zu erproben. Ab Herbst 2013 wird das erprobte Programm nun Bildungs- und Beratungsunternehmern sowie Trägern der Arbeitsförderung im Social Franchise Verfahren zur Verfügung gestellt.


MINIPRENEURE


Warum der Begriff MINIPRENEURE? Er kommt ursprünglich vom französischen „entrepreneur“: Unternehmer, Selbständiger und ist seit langem auch ein deutscher Begriff. Im Kontext unseres Projektes bedeutet er: Jemand der – in kleinem Rahmen beginnend (deshalb „mini“) – bereit ist, auf eigenen Füßen im Berufs- und Erwerbsleben „seine Frau“ bzw. „seinen Mann zu stehen“, sei es in einem Beschäftigungsverhältnis oder sei es in einer Selbständigkeit als Kleinunternehmen, das selbstverständlich nicht „mini“ bleiben muss. Der Begriff MINIPRENEUR ist aber nicht nur eine Bezeichnung für Formen beruflicher Tätigkeit. Er greift weiter und besagt, dass man als Mensch im Leben die Dinge „anpacken“, in die Hand nehmen kann (frz. prendre) und zu gestalten vermag, wo immer das notwendig ist und wo immer sich Chancen bieten – im Kleinen wie im Großen. MINIPRENEUR steht also für den lebensbejahenden Menschen, dem das Kleine nicht zu unwichtig und zu gering ist, der mit anderen zusammenarbeitet, seine Fähigkeiten einsetzt, um etwas zu schaffen: für sich, für andere, für die Gemeinschaft.


Die Idee


MINIPRENEURE dreht die herkömmliche Vermittlungslogik der Arbeitsmarktdienstleistungen um: Nicht Arbeitskräfte mit Vermittlungshemmnissen stehen im Vordergrund, sondern Menschen, Personen mit ihren Talenten. Ermutigung, Stärkung des Selbstvertrauens und Ermunterung, sich „auf den Weg zu machen“, stehen am Anfang. Die Talente und Kenntnisse, wo sie verschüttet sind, werden wieder aufgedeckt. Wenn sie veraltet sind, werden sie wieder aufgefrischt. Wünsche und Wollen, Können und Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Kompetenzen und Performanzen werden in eine neue, konkrete Perspektive übergeführt. Sind die Talente diagnostiziert, werden mit neuen Methoden die geeignetsten Tätigkeitsfelder identifiziert. Dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg, die passenden Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten aufzuspüren.

MINIPRENEURE nimmt dabei immer den Einzelnen als Person mit seinem individuellen Geworden-Sein in den Blick. Der Besonderheit der Situation von Männern und Frauen, von jüngeren und älteren Arbeitslosen begegnen wir mit Respekt. Mit jedem Einzelnen wird ein persönlicher, individueller Entwicklungsplan erarbeitet. Bei dessen Umsetzung begleiten und unterstützen wir ihn.

Weitere Zielgruppen


Bei der praktischen Erprobung des Konzeptes im Saarland hat sich herausgestellt, dass eine aktive Beteiligung oder Mitarbeit nicht nur für Langzeiterwerbslose, sondern ebenso für andere Zielgruppen von Interesse ist. Etablierte klein- und mittelständige Unternehmen können als Anbieter für die Dienstleistungen  fungieren und die Elemente des Ausbildungsprozesses für ihre Personal- und Geschäftsentwicklung nutzen. Eltern, die nach einer längeren Familienzeit schrittweise wieder erwerbstätig werden wollen, bietet die Minipreneure -Organisationsform vielfaltige Möglichkeiten, um den Ansprüchen an zeitliche und räumliche Flexibilität gerecht zu werden. Rentner können zur Aufstockung ihrer Rente im Rahmen des MINIPRENEURE-Netzwerkes entweder selbst ein kleines Unternehmen gründen oder bei einem MINIPRENEUR mitarbeiten oder aushelfen.

Eine weitere Zielgruppe werden mit der heute ständig zunehmenden Hochaltrigkeit in Zukunft die „Longinos“ bilden – die Menschen über 70 Jahre und älter. Mit den reichen Erfahrungen eines langen Lebens und bei der zunehmenden körperlichen und mentalen Fitness können sie, wenn sie Interesse haben und noch Aufgabenfelder für ihr Engagement suchen, spezifische Aufgaben übernehmen und aktiv daran mitwirken, die uns bevorstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.